Herrenhaus Tsanakli - Stadtbibliothek
Das Herrenhaus der griechischen Stadtschule (Herrenhaus Tsanakli) ist eines der beeindruckendsten Gebäude in Komotini. Der adlige Komotiner Nestoras Tsanaklis wanderte nach Ägypten aus, wo er als Besitzer von Tabak- und Weinfabriken zu großem Reichtum anhäufte-er gründete sogar Zigarettenfabriken in den Vereinigten Staaten. Die osmanische Verwaltung von Komotini gewährte ihm den städtischen Garten des Volkes (millet bahçesi) im Herzen des griechischen Viertels, wo er großzügig den Bau einer Jungenschule finanzierte, die als städtische Schule (entspricht dem heutigen Gymnasium) betrieben wurde. Das Gebäude wurde im Jahr 1907 eingeweiht. Es wurde nach den Grundsätzen des Eklektizismus gebaut - dem dominierenden Architekturauffassung des 19.Jahrhunderts. Die Schule wurde zu Ehren ihres Wohltäters Tsanakleios-Schule genannt, der bis 1913 - als die Region unter bulgarische Kontrolle geriet - jährlich 200 Goldpfund für die Gehälter der Lehrer der griechischen Gemeinde spendete. Bis 1913 diente es als städtische Schule, danach wurde es zwischen 1913 und 1919 von den bulgarischen Behörden genutzt. Nach dem Rückzug der Bulgaren und der Ankunft der ENTENTE-Truppen im Jahr 1919 wurde das Gebäude als Waisenhaus genutzt. Im Jahr 1923, nach der Verlagerung der Generalverwaltung Thrakien von Hadrianopolis, wurde es deren Hauptsitz bis 1950. Nach der Auflösung der Institution beherbergte das Gebäude nacheinander die Präfektur von Rodopi (1945-1972), die Technische Mittelschule von Komotini (1972-1974) und das Rektorat der Demokritischen Universität Thrakien (1974-2000).
Nach verschiedenen Streitigkeiten und Ansprüchen ging das Eigentum schließlich an die Gemeinde Komotini über, die das Gebäude mit Unterstützung europäischer Programme restaurierte. Seit 2020 beherbergt es die Stadtbibliothek, das Karatheodoris-Museum und eine Zweigstelle der Hellenischen Fernuniversität. Die Stadtbibliothek von Komotini wurde 1954 gegründet und ist eine Quelle des Lernens, der Bildung und der Information, die für alle Bürger zugänglich ist. Die Bibliothek verfügt über 30.000 Bücher, Zeitschriften und Archive der lokalen Presse, während sich im 2. Stock ein Lesesaal befindet. Im entsprechend gestalteten Raums im 1. Stock, der Platz für etwa 70 Personen bietet, finden häufig kleinere Veranstaltungen, Vorträge und Buchpräsentationen statt.